// AN DEN FEIERTAGEN GESCHLOSSEN



Wie hätten sie ausgesehen, die Hängenden Gärten, die der Architekt und Bauhaus-Gründer Walter Gropius 1927 im Rahmen des Wettbewerbs für eine Stadtkrone, mit Stadthalle, Museum und Sportforum, auf dem Lehmanns-Felsen entworfen hat? Erleben Sie nahe des ursprünglich geplanten Standortes eine der spektakulärsten Architekturen der Moderne als interaktive und „begehbare“ VR-Installationen.

// AN DEN FEIERTAGEN GESCHLOSSEN






Das interaktive Ausstellungsprojekt stellt den Bauhaus-Gründer Walter Gropius (1883–1969) als Visionär von Architektur dar und nimmt eben diese Architektur genauer in den Blick.

Im BAUHAUS Jahr 2019 wird sein Wettbewerbsbeitrag Hängende Gärten für Halle begehbar: Erstmalig kann das ganze Areal des kühnen und zukunftsweisenden Projektes auf dem Lehmanns-Felsen und auch das Innere der Stadthalle dreidimensional erlebt und mittels Virtual-Reality-Technik betreten werden.

Besondere Aufmerksamkeit wird dem Raumkonzept von Walter Gropius für den Konzertsaal geschenkt. Die Grundlage bilden 15 Originalzeichnungen, die erhalten geblieben sind sowie jahrelange Forschungsarbeit. Über mehrere Schritte wurden in der ersten Phase von Christine Fuhrmann, Daniel Ackermann und Bernd Hanisch die Topografie des Areals aufgebaut, die 92 Jahre alten Zeichnungen interpretiert, digital nachgebildet, 3D-Modelle erarbeitet und visualisiert.

Ab 27. Oktober 2019 können die Besucher der Ausstellung bei Ortsspaziergängen mittels Augmented Reality Anwendungen sowie 360-Grad-Videos die Positionierung und Dimensionen des Entwurfs eindrucksvoll erleben.

Entwurfskonzept

Wettbewerb

1927 gab es in Halle den kühnen Plan, die schon fast verklungene Idee einer Stadtkrone als modernes urbanes Zentrum für freie Menschen in freier Zeit in die Tat umzusetzen. Die Stadt Halle schrieb einen städtebaulichen Ideenwettbewerb für ein signifikantes Kulturzentrum aus, das eine Stadthalle mit Fest- und Konzertsaal, ein Restaurant, ein Museum für die Sammlungen der Moritzburg und Sportanlagen enthalten sollte – eine Stadtkrone oder, wie eine Schlagzeile der Presse lautete, eine „Akropolis für Halle“. Führende Architekten der Klassischen Moderne, darunter auch zahlreiche Architekten aus Halle, nahmen an diesem Wettbewerb teil.
Sie entwickelten kühne architektonische Visionen für ein neues städtisches Zentrum mit Bauten für Kultur, Kunst und Sport. In landschaftlich reizvoller Umgebung gelegen, hätte es Halle in jeder Hinsicht modernisiert. Den einzig kompromisslos modernen Entwurf mit dem Titel Hängende Gärten lieferte Walter Gropius. Den Zeitgenossen allerdings erschienen seine mutigen und zukunftsweisenden Ideen völlig utopisch. Ausgeführt wurde keiner der eingereichten Entwürfe, das ausgewiesene Baugrundstück blieb leer – und ist heute fast genau noch so zu erleben.

Konzept

Die 3D-Visualisierung illustriert besonders gut Gropius' Absicht, mit den Mitteln modernster Technik und neuer Materialien ein „Stadtkrone von besonderer Eigenart und Phantastik“ zu schaffen: Aus der Grundfigur des Stadions für 30 000 Zuschauer steigt an dessen Rand der 160 Meter lange Museumsflügel in Form abgetreppter Riegel und wie Weinbergterrassen schwerelos zur Anhöhe auf, wo die Stadthalle tatsächlich wie eine Krone das Saaletal überragt. Der Saalbau ist von zwölf gläsernen Treppenhäusern umstellt, die in 32 Meter Höhe eine hufeisenförmige Aussichtsplattform tragen, auf der schlank gestreckt ein gläsernes Café und luftige Dachgärten ins Land schauen.
Fahrstühle sollten die Besucher zu diesem grandiosen Stadtpanorama befördern. Zur besonderen Eigenart dieser technoiden Erlebnislandschaft gehört ein Skywalk, der die attraktivste Stelle des Geländes betont und die Hängenden Gärten mit einem dem Massiv vorgelagerten Felsenkegel verbindet. Ein höchst ambitionierter Aufwand für eine zeichenhafte Architektur, die vermutlich ein Schlüsselwerk der Moderne geworden wäre. (Quelle: FUHRMANN 2019)

Konstruktion

Um eine „Sehenswürdigkeit von weitreichender Bedeutung für die Stadt“ zu schaffen, vereint Gropius Symbolik und Industriearchitektur und konzipiert mit den Mitteln modernster Konstruktionstechnik und neuer Materialien eine „Stadtkrone von besonderer Eigenart und Phantastik“ für Halle an der Saale. Die Gebäude – Stadthalle, Museum und Sportforum – sind so angeordnet, dass sie die günstigste Ausnutzung der Topografie des Geländes gewährleisten. (Quelle: FUHRMANN 2019)
Aus dem Erläuterungstext von Walter Gropius 1928: „Die Besonderheit der örtlichen Verhältnisse – Aufbau der Gebäude auf einem in weiter Ebene aufragenden Felsen – soll dadurch ganz besonders unterstrichen und hervorgehoben werden, daß die verschiedenen Höhenlagen des Geländes und der Hausplattformen bis zur obersten Plattform der Stadthalle mit Hilfe von Bepflanzung gärtnerisch durchgebildet werden, so daß der Eindruck hängender Gärten erzielt wird.“

Stadthalle

Kernstück der Anlage ist die auf dem höchsten Punkt gelegene Stadthalle, die die Form einer Krone aufnimmt und die Silhouette beherrscht. Ihre bedeutende Höhe von 32 Metern wird über eine große Gewölbekuppel und die darüber liegenden Terrassenplattformen erreicht. Die luftigen Dachgärten mit Restaurant und Tanzcafé ermöglichen einen einzigartigen Panoramablick. Der große Saal im Obergeschoss des Hallenbaus ist von zwölf stählernen, glasverkleideten Treppentürmen umgeben.
Mit der ungewöhnlichen und kühnen Konstruktion, die zudem eine Aufhängung der membranartigen Saaldecke vorsieht, wollte Gropius die phantastische Wirkung von Leichtigkeit und Transparenz demonstrieren, die nur durch die Verwendung von Glas und Eisen möglich war. Die exzeptionelle Kuppelform der Stadthalle ergibt sich aus den Forderungen der Akustik. (Quelle: FUHRMANN 2019)

Konzertsaal

Der Entwurf Hängende Gärten ist mit einer enormen Bandbreite an Forschungsthemen verbunden: Die bedeutendste statisch-konstruktive Neuerung begegnet uns im Großen Saal der Stadthalle, in dem er einen weiten stützenlosen Saalraum über eine außenliegende Stützkonstruktion schafft, die Gropius als gläserne Treppentürme optisch auflöst. Er will die Berechnung der Akustik für die Stadthalle mithilfe eines leichten Moniergewölbes in die Wirklichkeit umsetzen. Dessen außerordentliche Erfindung (1925) stellt einen technischen Höhepunkt in der Architekturgeschichte dar.
Sicher ist Gropius durch die Entwürfe von Le Corbusier und Pierre Jeanneret sowie Hannes Mayer und Hans Wittwer für den Völkerbundsaal in Genf inspiriert worden. Sie haben erstmals versucht, diese technische Neuerung bei einem öffentlichen Repräsentationsbau einzusetzen. Während Säle im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts noch vorwiegend nach ästhetischen und nicht nach akustischen Gesichtspunkten entworfen wurden, nutzen die Architekten 1927 Forschungsergebnisse zur Akustik und beziehen sie in ihre Berechnungen für den großen Völkerbundsaal in Genf ein. (Quelle: FUHRMANN 2019)

Museum

Das architektonische Konzept der Hängenden Gärten findet sich auch im 160 Meter langen Baukörper des Museums wieder. Er besteht aus drei Trakten, die in Länge und Breite abgestuft sind und eingebettet in die Topografie des ansteigenden Geländes sich der historischen Nachbarbebauung anpassen. Am tiefsten Punkt bildet eine frei schwebende Apsis einen Schlussakzent. Drei gesonderte Eingänge in Gestalt von herausragenden Treppenhäusern rhythmisieren zudem die Länge des Baus. Die Höhenversetzung teilt den Bau in drei Bereiche und dient außerdem einer günstigen Belichtung. In den Museumsbereich einbezogen sind auch Vortragssaal, Bibliothek und Lesesaal.
Das Raumprogramm lässt zudem vielfältige Variationsmöglichkeiten für Ausstellungen zu. Bei dem von Gropius vorgeschlagenen Museumsgebäude für Halle (Saale) handelt es sich um seinen ersten und einzigen Entwurf für ein Kunstmuseum bis zum Zeitpunkt seiner Emigration 1934. Der Entwurf spiegelt seine Vorstellungen eines modernen Museums wider, die 1918 im Arbeitsrat für Kunst diskutiert wurden und die er bis zum Entwurf für das Bauhausarchiv weiterentwickelte. Er distanziert sich damit eindeutig vom bürgerlich-elitären Ausstellungswesen des 19. Jahrhunderts. (Quelle: FUHRMANN 2019)

Sportanlagen

Gropius plant für Halle ein modernes, olympiataugliches Stadion für 30 000 Besucher. Eine Besonderheit bildet die Tribüne; sie nimmt mit „hängenden Logen“ das Motiv der Hängekonstruktion der Stadthalle wieder auf und fasst 5 000 Zuschauer. Die sechs Meter hoch ansteigenden Tribünen grenzen unmittelbar an das mit einer sechs Meter breiten Laufbahn ausgestattete Spielfeld. Eine Fußgängerplattform mit einer Breite von zehn Metern führt um das gesamte Stadion herum, um den reibungslosen Zu- und Abgang der Besucher zu ermöglichen. Im Süden des Stadions ist die Plattform durch eine Fußgängerbrücke mit dem Stadthallenbau verbunden.
Der Turnhalle mit angegliedertem Wohnheim ist eine höchst attraktive Stelle unmittelbar an der Felsenkante zur Saale zugemessen. Das Gebäudeensemble gliedert sich in drei Baukörper, die wiederum – bedingt durch die unterschiedliche Nutzung – in verschiedene Höhen abgestuft angeordnet sind: ein sechsgeschossiges Internatsgebäude mit weitauskragenden Balkonen und begehbarer Dachterrasse (in Baugestalt und Funktion vergleichbar mit dem Dessauer Atelierhaus), ein zentraler Hallenbau mit Dachterrasse und ein eingeschossiger Eingangsbereich, der in der Form eines Laubenganges Wohnheim und Turnhalle mit einem kleinen Wohnhaus für das Wartungspersonal verbindet. (Quelle: FUHRMANN 2019)

Freiraumkonzept

Die Freiraumgestaltung, die Gropius für den Beitrag Hängende Gärten entwirft, liegt außerhalb eines klassischen Erscheinungsbildes der Gartenarchitektur der 1920er-Jahre. Mit dem Entwurf setzt er inhaltlich und gestalterisch neue Akzente in der Freiraumplanung. Mit dem Wettbewerbsbeitrag Hängende Gärten spricht Gropius die Planung der Außenanlagen bereits durch das Motto an. An diesem Beispiel wird besonders deutlich: die Eigenart der Bauhaus-Bauten wurde entscheidend durch die entsprechende Freiflächengestaltung mitgeprägt. Zudem erhält der Freiraum eine bedeutende soziale sowie ästhetische Funktion.
Auf die zeichnerische Darstellung der Hängenden Gärten und der Landschaft verzichtet Gropius, um „nicht die klare Beurteilung der architektonischen Körper“ zu beeinträchtigen. Der Entwurf ist gekennzeichnet durch unterschiedliche Freiraumgestaltungsebenen, die von Gropius 1930 selbst beschrieben werden: „die anwendung begehbarer, mit pflanzen bestandener dachgärten ist ein wirksames mittel, die natur in die steinwüste der großstädte einzubeziehen. Die städte der zukunft werden mit ihren gärten auf terrassen und dächern – vom luftweg aus gesehen – den eindruck eines großen gartens geben.“ (Quelle: FUHRMANN 2019)

Führungen


Sonntags, 17 Uhr
Führungen durch die Ausstellung

Jeweils an den Sonntagen um 17 Uhr führen Studierende oder die Kuratoren durch die Ausstellung.
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich


Sonntags, Uhrzeit siehe Anmeldungsliste
Augmented Reality Führungen

Augmented Reality-Führungen (Dauer ca. 90min) über den Lehmannsfelsen.
Anmeldung erforderlich


Begleitprogramm


18. Januar, 14 – 19 Uhr
Wissenschaftliches Symposium
Neue Visualisierungsmethoden in der Kunst, Architektur und Denkmalpflege

VR-Technologie und andere 3D-Anwendungen haben bereits seit Jahren Einzug in Medizin, Industrie sowie Spiele- und Filmebranche gehalten. Das Symposium zeigt Ansätze der Verwendung von neuen Visualisierungsmethoden in der Kunst, Architektur und Denkmalpflege.


12. Dezember, 18 Uhr
Vortrag
Landschaftsarchitektur am Bauhaus

Dass es auch in der Forschung rund ums Bauhaus noch Neuland zu entdecken gibt, beweist die Landschaftsarchitektin Dr. Christine Fuhrmann, die den Bauhaus-Gründer Gropius in einer Rolle vorstellt, mit der er gemeinhin nicht assoziiert wird: in der des Landschaftsgestalters.


21. November, 18 Uhr, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Im Gespräch
Herausforderungen und Potentiale des digitalen Museums

Die Erschaffung der Virtual Reality von Walter Gropius’ Museumsentwurf für Halle (Saale). Prof. Bernd Hanisch, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, und sein Team berichten gemeinsam mit dem Kuratorenteam von der Arbeit am digitalen Teil der Ausstellung.


15. November, 11 - 18 Uhr
Workshop
Hängende Gärten II

Im Rahmen eines Entwurfsworkshops soll gemeinsam mit Lehrenden und Studierenden der Landschaftsarchitektur, Architektur, Biologie und dem Studiengang Multimedia|VR-Design an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle versucht werden die Hängenden Gärten von Walter Gropius virtuell zu bepflanzen.


14. November, 18 Uhr, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Vortrag
Eine Stadtkrone für Halle – Walter Gropius im Wettbewerb 1927

Vortrag im Rahmen der Sonderausstellung „Bauhaus Meister Moderne. DAS COMEBACK“ mit Dr. Christine Fuhrmann, Brandenburgische Technische Universität, Cottbus-Senftenberg


08. November, 14 – 18 Uhr
Workshop
Hängende Gärten

Im Rahmen des Workshop werden Ideen für authentische und detaillierte 3D-Pflanzenmodelle in VR-Installationen und Anwendungen vorgestellt und Lösungsvorschläge für die Landschaftsgestaltung der Hängenden Gärten von Walter Gropius in virtueller Realität entwickelt.


24. Oktober, 18 Uhr
Vortrag
Virtual und Augmented Reality

Prof. Bernd Hanisch, Mitgründer des Studiengangs MM|VR-Design an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und künstlerischer Leiter der VR-Installation gibt in seinem Vortrag einen Überblick zur Entwicklung und Geschichte von Virtual und Augmented Reality.


26. September, 18 Uhr
Vortrag
Eine Stadtkrone für Halle von Walter Gropius

Die Kuratorin Dr. Christine Fuhrmann gibt in ihrem Vortrag einen Einblick, wie die Hängenden Gärten, die der Architekt und Bauhaus-Gründer Walter Gropius (1883–1969) im Jahr 1927 im Rahmen des Wettbewerbs für die sogenannte Stadtkrone mit Stadthalle, Museum und Sportforum entworfen hat, ausgesehen hätte.


14. September, 18 Uhr
Vernissage

Mit über 100 Gästen bei der Eröffnung hat die Ausstellung „Hängende Gärten – Eine Stadtkrone für Halle von Walter Gropius in virtueller Realität“ die Erwartungen der Kuratoren und Kooperationspartner übertroffen und die ...

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Ausstellungen

vergangene Ausstellungen

Team
Stadtkrone.VR

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Publikation



Christine Fuhrmann untersucht den städtebaulichen Wettbewerb aus dem Jahre 1927 in Halle zur Errichtung einer monumentalen Baugruppe mit Stadthalle, Museum und Sportforum einschließlich der Außenanlagen hoch über dem Saaleufer auf dem Lehmanns-Felsen. Der Umfang der Bauaufgabe und die prominente Architekturkonkurrenz mit Peter Behrens, Paul Bonatz, Emil Fahrenkamp, Walter Gropius, Wilhelm Kreis und Hans Poelzig heben diesen Wettbewerb weit über die Vielzahl der ...

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Pressemitteilung

05.September 2019
Hängende Gärten – eine Stadtkrone für Halle von Walter Gropius in virtueller Realität

Der Volkspark Halle e.V. zeigt in Kooperation mit der BURG im Bauhaus-Jubiläumsjahr eine interaktive Ausstellung zum Architekturentwurf von Walter Gropius für die Stadt Halle Volkspark Halle, 15. September 2019 bis 19. Januar 2020

Halle (Saale), 5. September 2019. In dem interaktiven Ausstellungsprojekt Hängende Gärten – eine Stadtkrone für Halle wird vom 15. September 2019 bis 19. Januar 2020 der imposante Architekturentwurf von Walter Gropius für die Stadt Halle (Saale) als „begehbare“ VR-Installation erstmals erfahrbar gemacht.







Volkspark Halle
Turnhalle


Schleifweg 8a
06114 Halle (Saale)

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