Visualisierung des Entwurfs „Hängende Gärten“ von Walter Gropius


Im BAUHAUS Jahr 2019 wird dieses höchst ambitionierte Projekt und Meilenstein seiner Zeit vom Team Stadtkrone.VR mittels Virtual Reality interaktiv begehbarer und somit die Dimension der Vision von Gropius für die Bürger dreidimensional und immersiv erlebbar.

Die Grundlage bilden 15 erhaltene Originalzeichnungen. Über mehrere Schritte wurden in der ersten Phase von Christine Fuhrmann, Daniel Ackermann und Bernd Hanisch die Topografie des Areals aufgebaut, die 2D-Vorlagen interpretiert, digital nachgebildet und 3D-Modelle erarbeitet und visualisiert. Aktuell entwickelt das Team 2019 für die interaktive VR-Anwendung verschiedene Darstellungsarten, Interaktionskonzepte und Interfacedesign-Varianten. Ein besonderer Schwerpunkt der Weiterentwicklung ist dabei u.a. die Visualisierung und interaktive Begehung der Konzerthalle im Inneren der Stadthalle auf Lehmannsfelsen.

Zum Team Stadtkrone 2019 gehören derzeit: Sophie Parschat, Victor-Alexander Mahn, Mareike Konz, Violeta Garkova, Alina Starostenko, Aaron Taubner, Christina Klus, Leonhard Gläser, Mathias Jüsche, Dr. Christine Fuhrmann, Bernd Hanisch


Entwurfskonzept
„Hängende Gärten“

Aus dem Erläuterungstext von Walter Gropius 1928:

„Die Besonderheit der örtlichen Verhältnisse – Aufbau der Gebäude auf einem in weiter Ebene aufragenden Felsen – soll dadurch ganz besonders unterstrichen und hervorgehoben werden, daß die verschiedenen Höhenlagen des Geländes und der Hausplattformen bis zur obersten Plattform der Stadthalle mit Hilfe von Bepflanzung gärtnerisch durchgebildet werden, so daß der Eindruck hängender Gärten erzielt wird.“

Die 3D-Visualisierung illustriert besonders gut Gropius' Absicht, mit den Mitteln modernster Technik und neuer Materialien ein „Stadtkrone von besonderer Eigenart und Phantastik“ zu schaffen: Aus der Grundfigur des Stadions für 30 000 Zuschauer steigt an dessen Rand der 160 Meter lange Museumsflügel in Form abgetreppter Riegel und wie Weinbergterrassen schwerelos zur Anhöhe auf, wo die Stadthalle tatsächlich wie eine Krone das Saaletal überragt. Der Saalbau ist von zwölf gläsernen Treppenhäusern umstellt, die in 32 Meter Höhe eine hufeisenförmige Aussichtsplattform tragen, auf der schlank gestreckt ein gläsernes Café und luftige Dachgärten ins Land schauen. Fahrstühle sollten die Besucher zu diesem grandiosen Stadtpanorama befördern. Zur besonderen Eigenart dieser technoiden Erlebnislandschaft gehört ein Skywalk, der die attraktivste Stelle des Geländes betont und die Hängenden Gärten mit einem dem Massiv vorgelagerten Felsenkegel verbindet. Ein höchst ambitionierter Aufwand für eine zeichenhafte Architektur, die vermutlich ein Schlüsselwerk der Moderne geworden wäre. [4]

Um eine „Sehenswürdigkeit von weitreichender Bedeutung für die Stadt“ zu schaffen, vereint Gropius Symbolik und Industriearchitektur und konzipiert mit den Mitteln modernster Konstruktionstechnik und neuer Materialien eine „Stadtkrone von besonderer Eigenart und Phantastik“ für Halle an der Saale. Die Gebäude – Stadthalle, Museum und Sportforum – sind so angeordnet, dass sie die günstigste Ausnutzung der Topografie des Geländes gewährleisten. [2/3]

Größe der geplanten Fläche auf Lehmann-Felsen:
Von den insgesamt zur Verfügung stehenden 11 Hektar Bauland werden im Entwurf Hängende Gärten 12 230 Quadratmeter bebaut. Die Verteilung der Baumassen und Flächen anteilig: Bebauung (mit Brücke) 11 %, Stadion 25 %, Öffentliche Plätze, Verkehr 45 %, Gärten 1 %, Turnplatz 1 %, Naturraum 16 %, Sonstige 1 %. Zusätzlich geplante Freiräume: Dachgärten ca. 5 260 Quadratmeter, Skywalk ca. 500 Quadratmeter. [2/3]

Stadthalle

Kernstück der Anlage ist die auf dem höchsten Punkt gelegene Stadthalle, die die Form einer Krone aufnimmt und die Silhouette beherrscht. Ihre bedeutende Höhe von 32 Metern wird über eine große Gewölbekuppel und die darüber liegenden Terrassenplattformen erreicht. Die luftigen Dachgärten mit Restaurant und Tanzcafé ermöglichen einen einzigartigen Panoramablick. Der große Saal im Obergeschoss des Hallenbaus ist von zwölf stählernen, glasverkleideten Treppentürmen umgeben. Mit der ungewöhnlichen und kühnen Konstruktion, die zudem eine Aufhängung der membranartigen Saaldecke vorsieht, wollte Gropius die phantastische Wirkung von Leichtigkeit und Transparenz demonstrieren, die nur durch die Verwendung von Glas und Eisen möglich war. Die exzeptionelle Kuppelform der Stadthalle ergibt sich aus den Forderungen der Akustik. [2/3]

Museum

Im Osten der Stadthalle erstreckt sich der 160 Meter lange Baukörper des Museums. Er besteht aus drei Trakten, die sich in Länge und Breite stufenförmig der Topografie des ansteigenden Geländes anpassen. Am tiefsten Punkt bildet eine frei schwebende Apsis einen Schlussakzent. Drei gesonderte Eingänge in Gestalt von herausragenden Treppenhäusern rhythmisieren zudem die Länge des Baus. Wie beim Stadthallengebäude gibt es auch hier keine sich gleichenden Fassadenansichten. Die Kubatur des Baukörpers spiegelt die funktionale Entwurfslösung, wie Gropius sie auch für die Innenräume vorsah. [2/3]

Stadion

Gropius plant für Halle ein modernes Stadion für 30 000 Besucher. Eine Besonderheit bildet die Tribüne; sie nimmt mit „hängenden Logen“ das Motiv der Hängekonstruktion der Stadthalle wieder auf und fasst 5 000 Zuschauer. Die sechs Meter hoch ansteigenden Tribünen grenzen unmittelbar an das mit einer sechs Meter breiten Laufbahn ausgestattete Spielfeld. Die Tribünen lagern auf einem unverkleideten Stahlbetonskelett. Eine Fußgängerplattform mit einer Breite von zehn Metern führt um das gesamte Stadion herum, um den reibungslosen Zu- und Abgang der Besucher zu ermöglichen. Im Süden des Stadions ist die Plattform durch eine Fußgängerbrücke mit dem Stadthallenbau verbunden. An der Nordseite des Spielfeldes erhebt sich eine vollkommen stützenlose überdachte Längstribüne (23 Meter hoch) auf einer Gesamtlänge von 72 Metern. In das 19 Meter weit auskragende Tribünendach sind Logen eingehängt. [2/3]

Turnhalle

Der Sporthalle mit angegliedertem Wohnheim ist eine höchst attraktive Stelle unmittelbar an der Felsenkante zur Saale zugemessen. Das Gebäudeensemble gliedert sich in drei Baukörper, die wiederum – bedingt durch die unterschiedliche Nutzung – in verschiedene Höhen abgestuft angeordnet sind: ein sechsgeschossiges Internatsgebäude mit weitauskragenden Balkonen und begehbarer Dachterrasse (in Baugestalt und Funktion vergleichbar mit dem Dessauer Atelierhaus), ein zentraler Hallenbau mit Dachterrasse und ein eingeschossiger Eingangsbereich, der in der Form eines Laubenganges Wohnheim und Turnhalle mit einem kleinen Wohnhaus für das Wartungspersonal verbindet. [2]

Aussichtspunkt
über der Felsnadel

Gropius plant einen Skywalk, einen freischwebenden Aussichtssteg, der weit in das Saaletal hineinragt und damit den größten Eingriff in die natürliche Beschaffenheit der Felsenlandschaft an der Saale nach sich zieht. [2/3]

Masterplan (Verkehrsplan)

Im Masterplan werden Aussagen zur städtebaulichen Anlage und Anbindung des Gesamtensembles sowie zur geplanten Organisation des Verkehrs getroffen: Gropius platziert seine Gesamtanlage auf dem Lehmanns-Felsen in den städtebaulichen Kontext weiterer bedeutsamer städtischer Kultureinrichtungen, die sich in unmittelbarer Nähe befinden: Als Trias denkt er sich die Stadtkrone, das Museum für deutsche Vorgeschichte und die Unterburg der Burg Giebichenstein als ein neues kulturelles Zentrum der Stadt. Die Stadtkrone jedoch steht in diesem Dreieck nicht nur an der höchsten und damit attraktivsten Stelle, auch im Vergleich der Bauvolumina dominiert sie das heterogene Quartier. [2/3]

Freiraumkonzept

Der Außenraum ist in geometrisch gestaltete Gartenbereiche und funktionale Verkehrsflächen gegliedert. Als Gestaltungselemente dienen ihm dazu Baumreihen, Alleen, Straßen, Plätze, Terrassen und Pergolen. Ihr Vor- und Zurücktreten bewirkt eine Wechselbeziehung zwischen Architektur und Freiraum. Die Räume, die dadurch entstehen, unterscheiden sich nicht nur durch verschiedene Funktionen, sondern auch darin, in welcher Relation sie zur Architektur und Landschaft stehen. Für Fußgänger sieht der Entwurf vollkommen neue Freiraumtypen vor: öffentliche Räume entstehen als Ausgleich zu den Verkehrsflächen beispielhaft vor der Stadthalle auf einer Überbrückung der Zufahrtstraße. Polydimensionale Freiräume sieht das Konzept auch unter den Kolonnaden, auf den Dachgärten und auf einem Skywalk vor, ein künstlicher Aussichtspunkt, der weit in das Saaletal hineinragt und damit den größten Eingriff in die natürliche Beschaffenheit der Felsenlandschaft an der Saale nach sich zieht. [2/3]

Quellen:
[1] Walter Gropius: Stadtkrone für Halle a. d. Saale. In: Stein Holz Eisen 1928, H. 47, S. 833.
[2] Christine Fuhrmann: Eine Stadtkrone für Halle a. d. Saale von Walter Gropius, Bauhaus-Universitätsverlag, Weimar 2019.
[3] Christine Fuhrmann: Stadtkronen, Volkshäuser und Hängende Gärten. Walter Gropius´ Entwurf für eine Stadtkrone in Halle 1927. Dissertation Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 2016.
[4] Christine Fuhrmann: Am besten baut man im Geist. Eine Stadtkrone für Halle a. d. Saale von Walter Gropius. In: Stadt+Grün 2019, H.2, S. 46.


Termine

Ort: Turnhalle des Volkspark Halle, Schleifweg 8a, 06114 Halle (Saale)

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 14 bis 19 Uhr
Eintritt: Der Eintritt ist kostenfrei


Begleitprogramm:
Donnerstag, 26. September, 18 Uhr: Vortrag Eine Stadtkrone für Halle von Walter Gropius

Donnerstag, 24. Oktober, 18 Uhr: Vortrag Virtual und Augmented Reality

Freitag, 25. Oktober und 15. November: Workshops Hängende Gärten

Freitag, 6. Dezember, 14 bis 19 Uhr: Wissenschaftliches Symposium

Donnerstag, 12. Dezember, 18 Uhr: Vortrag Landschaftsarchitektur am Bauhaus


Führungen durch die Ausstellung:
Jeweils an den Sonntagen um 17 Uhr führen Studierende oder die Kuratoren durch die Ausstellung. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Anmeldungen zu Augmented Reality-Führungen (Dauer ca. 90 Minuten) über den Lehmannsfelsen werden an dieser Stelle möglich sein, sobald die Termine feststehen.


Ihre Ansprechpartnerin für das Ausstellungsprojekt:
Dr. Christine Fuhrmann
Projektleitung
Volkspark Halle e.V.
T 0176 50982406
christine.fuhrmann@volkspark-halle.de


Partner

Team

Sophie Parschat

VR-Modell und Interaktionskonzept

Victor-Alexander Mahn

VR-Modell und Interaktionskonzept

Violetta Garkova

grafische gezeichnete Assets,
Layout und Design für Print und Web

Mareike Konz

grafische gezeichnete Assets,
Layout und Design für Print und Web

Christina Klus

Konzept und prototypische Implementierung der Modelldaten in einer AR-Anwendung, sowie deren Platzierung und Lokalisierung auf Lehmannsfelsen

Aaron Taubner

Erstellung eines 3D-Modells von Walter Gropius nach Fotos, Konzept und Gestaltung der Integration des Modells in das VR-Szenario

Birke Trautvetter

3D-Modellierung: Erweiterung und Detaillierung des Areals

Leonhard Gläser

3D-Modellierung: Optimierung und Detaillierung der 3D-Daten

Mathias Jüsche

Realisierung der Webseiten, Web-Implementierung dreidimensionaler Modelle, 2D-Visualisierung 3D Modelle

Bernd Hanisch

Künstlerische Leitung

Dr. Christine Fuhrmann

Projekt- und wissenschaftliche Leitung